Positionspapier Wohlfahrtverbände Niedersachsen rufen auf: Nicht am Menschen sparen

Nicht am Menschen sparen: Wichtige Impulse zur Eingliederungshilfe

Mit einem gemeinsamen Positionspapier machen die Wohlfahrtsverbände in Niedersachsen auf mögliche Auswirkungen der geplanten Reformen der Eingliederungshilfe aufmerksam. Viele der angesprochenen Themen betreffen auch Menschen mit psychischen Erkrankungen und die tägliche Arbeit des Lotse e. V.

Wenn Teilhabe zur Kostenfrage wird

Mit unserem Beitrag „S.O.S. Sozialstaat!“ und dem Rückblick auf die Kundgebung in Hannover haben wir die aktuelle Diskussion um Einsparungen im Sozialbereich bereits aufgegriffen. Daran möchten wir anknüpfen und den Blick auf eine aktuelle Entwicklung richten, die auch unsere tägliche Arbeit betrifft.

Die Wohlfahrtsverbände in Niedersachsen haben gemeinsam mit der Lebenshilfe Niedersachsen und der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit, Bildung und Teilhabe ein Positions- und Prioritätenpapier zu den geplanten Reformen der Eingliederungshilfe veröffentlicht. Darin werden zentrale Fragestellungen aufgegriffen, die weit über finanzielle Aspekte hinausgehen.

Im Mittelpunkt des Diskurses steht die Frage „Wie viel ist Teilhabe unserer Gesellschaft eigentlich wert?“. Denn Eingliederungshilfe ist weit mehr als eine soziale Leistung – sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen oder andere Menschen mit Behinderungen ihren Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Individuelle Unterstützung braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Unterstützungsangebote eine wichtige Grundlage, um den Alltag selbstbestimmt zu gestalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ambulante oder häusliche Betreuung, Tagesstätten für seelisch Erkrankte sowie besondere Wohnformen schaffen dabei die Möglichkeit, individuelle Lebenswege zu begleiten und passgenaue Hilfen anzubieten.

In unserer täglichen Arbeit erleben wir, dass Unterstützung dann besonders wirksam ist, wenn sie sich an den persönlichen Bedürfnissen eines Menschen orientiert. Verlässliche Beziehungen, fachliche Begleitung und ausreichend Handlungsspielraum sind dabei ebenso wichtig wie Rahmenbedingungen, die individuelle Lösungen ermöglichen.

Was das Positionspapier in den Mittelpunkt stellt

Das gemeinsame Positionspapier greift zahlreiche Aspekte auf, die auch für unsere Arbeit von Bedeutung sind. Dazu gehören unter anderem:

  • der Erhalt des Wunsch- und Wahlrechts von Menschen mit Behinderungen, 
  • bedarfsgerechte Unterstützung, die sich an der individuellen Lebenssituation orientiert, statt pauschaler Leistungsmodelle, 
  • Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe als Leitgedanke der Eingliederungshilfe, 
  • gute Rahmenbedingungen für qualifizierte Fachkräfte und verlässliche Unterstützungsangebote,
  • Reformen, die gemeinsam mit den betroffenen Menschen und der Praxis weiterentwickelt werden. 
 
Diese Punkte verdeutlichen, dass die Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe nicht allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden sollte. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Auswirkungen Veränderungen auf die Menschen haben, die auf diese Unterstützung angewiesen sind.
 
Menschen brauchen Unterstützung, die sich an ihrem individuellen Bedarf orientiert – nicht umgekehrt. Deshalb unterstützt der Lotse e.V. den Blick auf eine Eingliederungshilfe, die den Menschen und seine Teilhabe in den Mittelpunkt stellt.
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