Das Bündnis starker Sozialstaat Niedersachsen hat am 24. Juni unter dem Motto „Nicht am Menschen sparen“ zu einer Kundgebung vor dem Niedersächsischen Landtag in Hannover aufgerufen. Rund 3.000 Menschen folgten dem Aufruf und setzten bei sommerlichen Temperaturen von über 30 Grad ein deutliches Zeichen für den Erhalt eines starken Sozialstaates und nachhaltiger Unterstützungsangebote.
Als Verein für seelisch Erkrankte beschäftigt uns die aktuelle politische Diskussion über Einsparungen und Reformvorhaben insbesondere im Bereich der Eingliederungshilfe. Viele der Menschen, die wir begleiten, sind auf langfristige und verlässliche Hilfestellungen angewiesen. Deshalb machten auch wir uns mit einer kleinen Gruppe aus Meppen und Lingen auf den Weg, um vor Ort Haltung zu zeigen und die Bedeutung sozialer Teilhabe sichtbar zu machen.
Zwischen politischen Entscheidungen und gelebtem Alltag
Auf der Bühne kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen ebenso zu Wort wie betroffene Personen, die selbst Leistungen in Anspruch nehmen. Auch Ministerpräsident Olaf Lies bezog dabei selbst Stellung zu den Forderungen und der aktuellen sozialpolitischen Debatte Die Berichte machten deutlich, worum es in der aktuellen Diskussion eigentlich geht: nicht um abstrakte Zahlen oder Haushaltspositionen, sondern um konkrete Lebensrealitäten.
Ein zentrales Thema war dabei der Erhalt des Wunsch- und Wahlrechts von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Es soll sicherstellen, dass Unterstützung sich an den individuellen Bedürfnissen und Lebenszielen der Betroffenen orientiert und nicht allein an organisatorischen oder finanziellen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig wurde gefordert, dass Ressourcen anstelle von Einsparungen vielmehr durch den Abbau von Bürokratie freigesetzt werden sollten.
Mehr als Hilfe: Grundlage für Selbstbestimmung
Die bundesweite Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ nehmen wir als Lotse e.V. zum Anlass, um auf die Bedeutung der Eingliederungshilfe aufmerksam zu machen. In unserer täglichen Arbeit erleben wir, wie wichtig verlässliche Unterstützung für Menschen mit psychischen oder seelischen Erkrankungen ist. Eingliederungshilfe ermöglicht Teilhabe, Selbstbestimmung und soziale Integration. Sie unterstützt Menschen dabei, ihren Alltag zu gestalten, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und eigene Perspektiven zu entwickeln.
Die Kundgebung in Hannover hat noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, diese Angebote nicht nur zu erhalten, sondern ihre Bedeutung immer wieder sichtbar zu machen. Denn dort, wo Menschen Unterstützung benötigen, darf nicht am Menschen gespart werden.
Auch deshalb verfolgen wir die Initiative gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Caritas-Verbands und machen ihre Anliegen, wo möglich, sichtbar – unter anderem durch die Unterstützung der Petition für einen starken Sozialstaat, gute Arbeit und soziale Gerechtigkeit oder in den sozialen Medien unter dem Hashtag #NichtamMenschensparen.
Was nach einem Tag in Erinnerung bleibt
Zum Abschluss bleibt eine Erinnerung der besonderen Art: Während die Kundgebung selbst reibungslos verlief, erwies sich die unplanmäßig über sechs Stunden andauernde Rückfahrt mit der Bahn als Geduldsprobe. Die Stimmung blieb dennoch positiv – denn gemeinsam unterwegs sein, Herausforderungen meistern und dabei den Humor nicht verlieren, gehört manchmal genauso zum alltäglichen Leben.