Gruppenfoto der Verantwortlichen vom Lotse e. V. mit dem Landrat und Fraktionsabgeordneten im Kreistag Emsland

Im Gespräch über die Zukunft von Angeboten für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Emsland

Der Landrat und weitere Mitglieder des Kreistags verschiedener Fraktionen waren zu Gast beim Lotse e. V. und tauschten sich vor Ort mit Vorstand, Geschäftsführung und Bereichsleitungen über die Lebenssituation von Menschen mit psychischen Erkrankungen und notwendige Unterstützungsangebote aus.

Was brauchen Menschen mit psychischen Erkrankungen, um möglichst selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können? Und wie können Hilfs- und Beratungsleistungen auch unter sich verändernden Rahmenbedingungen verlässlich gestaltet werden?

Am 26. August folgten sechs politische Vertreter: innen des Landkreises Emsland unserer Einladung in die Tagesstätte des Lotse e. V. in Meppen. Neben einem Einblick in unsere alltägliche Arbeit bot der Nachmittag Raum für einen offenen und konstruktiven Austausch über Entwicklungen und Themen, die Betroffene, Angehörige und auch uns als Verein beschäftigen.

Viele Gesichter, viele Bedürfnisse – und die Bedeutung von Begegnung

Im Gespräch wurde deutlich, wie vielfältig psychische Erkrankungen und die Lebenssituationen der betroffenen Menschen sind. Entsprechend breit waren die Themen, die sich im Austausch entwickelten:

  • Eigenständiges Wohnen als Grundlage für Teilhabe: Bezahlbarer und geeigneter Wohnraum ist auch im Emsland zunehmend schwer zu finden – insbesondere für Menschen, die auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind. Gleichzeitig müssen Wohn- und Unterstützungsangebote gut erreichbar sein. Hier braucht es Lösungen, die verschiedene Ebenen und Verantwortliche zusammenbringen.
  • Wenn der Bedarf schneller wächst als die Angebote: Der Bedarf an Leistungen und Betreuung in der Eingliederungshilfe nimmt zu, während passende Angebote insbesondere im teilstationären und stationären Bereich nicht im gleichen Umfang zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Engpässe bei fachärztlicher und psychotherapeutischer Versorgung sowie längere Wege im ländlichen Raum.
  • Zwischen Notwendigkeit und finanziellen Rahmenbedingungen: Auch die Finanzierbarkeit der Angebote war Thema. Aktuelle Diskussionen und geplante Veränderungen im Bereich des SGB IX werfen die Frage auf, wie notwendige Leistungen künftig verlässlich angeboten und refinanziert werden können. Davon betroffen sind auch niedrigschwellige Angebote wie der „Offene Treff“, dessen Refinanzierung seit geraumer Zeit nicht mehr gegeben ist.
  • Synergien nutzen, um neue Lösungswege zu finden: Im Austausch ging es auch um mögliche Kooperationen – etwa mit anderen Institutionen, Begegnungsstätten oder kommunalen Initiativen. Eine gute Vernetzung kann dazu beitragen, vorhandene Möglichkeiten besser zu nutzen und neue Wege zu eröffnen.
  • Ehrenamt, Aufklärung und Enttabuisierung: Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit ist ehrenamtliches Engagement besonders wertvoll, zugleich aber nicht leicht zu gewinnen. Unsicherheiten und Berührungsängste können Hemmnisse darstellen. Aufklärung und Begegnung tragen dazu bei, Vorbehalte abzubauen. Oft braucht es für das Ehrenamt keine besonderen fachlichen Kenntnisse: Wer beispielsweise in unseren „Teestuben“ zuhört, ins Gespräch kommt und gemeinsam Zeit verbringt, kann für Betroffene und Angehörige bereits einen wichtigen Unterschied machen.
Gemeinsam hinschauen, miteinander im Gespräch bleiben

Für uns als Lotse e. V. ist es wichtig, unsere Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln und aus konkreten Bedarfen heraus pragmatische Lösungen zu finden. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und gesellschaftliche Teilhabe zu erfahren.

Der ausführliche Austausch bot Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam auf aktuelle Entwicklungen zu schauen. Bei einem anschließenden Rundgang konnten die Gäste zudem die Räumlichkeiten unserer Tagesstätte kennenlernen.

Wir bedanken uns für das Interesse und den wertschätzenden Austausch.

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