Vor gut einem Jahr eröffnete der Lotse e. V. seine Tagesstätte im Konrad-Adenauer-Ring in Lingen. Seitdem hat sich die Einrichtung für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen zu einem festen Bestandteil ihres Alltags entwickelt. Zum ersten Jubiläum haben wir mit Besuchenden der Tagesstätte gesprochen. Ihre Erfahrungen zeigen, was die Tagesstätte für sie bedeutet – und warum sie weit mehr ist als ein Ort der Beschäftigung.
Tagesstätte als Ort der Hoffnung für immer mehr Menschen
Der erste Schritt in eine neue Umgebung ist selten leicht. Viele der heutigen Besucherinnen und Besucher kamen auf persönliche Empfehlung von Mitarbeitenden. Sie suchten aus unterschiedlichsten Gründen nach neuer Struktur und Gemeinschaft – zum Beispiel, weil sie nach dem Eintritt ins Rentenalter plötzlich ohne regelmäßige Beschäftigung dastanden. Der Start war dabei oft von gemischten Gefühlen geprägt. Neue Menschen, neue Abläufe und die Ungewissheit darüber, was einen erwartet, sorgten zunächst für Aufregung und Unsicherheit. Gleichzeitig überwog bei vielen die Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem sie sich wohlfühlen können.
Jemand erinnert sich besonders daran, wie hilfreich es war, am ersten Tag direkt auf ein bekanntes Gesicht zu treffen. Andere gehörten zu den Ersten in der Tagesstätte und konnten miterleben, wie sich das Angebot Schritt für Schritt entwickelte:
„Es war interessant zu sehen, wie alles gewachsen ist und immer mehr Menschen dazugekommen sind.“
Was sich in diesem Jahr verändert hat, wird in den Gesprächen schnell deutlich. Immer wieder fällt das Wort „Struktur“. Früher fiel es manchen schwer, morgens aufzustehen oder den Tag aktiv zu gestalten. Heute gehören feste Abläufe, gemeinsame Mahlzeiten und regelmäßige Aktivitäten für viele selbstverständlich zum Alltag.
Neue Strukturen, Freundschaften und persönliche Entwicklung
Doch die Veränderungen gehen weit darüber hinaus. Die Tagesstätte bietet einen geschützten Rahmen für Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erfahrungen. Hier entstehen Kontakte, Freundschaften und manchmal auch Konflikte, die gemeinsam bewältigt werden. Für viele ist genau das ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Entwicklung.
„Man fühlt sich weniger wertlos. Hier wird man gesehen und nach seiner Meinung gefragt“, beschreibt es eine Person mit eigenen Worten.
Auch das Selbstbild vieler Besuchender hat sich verändert. Einige berichten, dass sie aktiver geworden sind und dies auch von ihren Angehörigen wahrgenommen wird. Andere erzählen stolz davon, wieder regelmäßiger zu kochen oder fitter geworden zu sein. Besonders häufig wird genannt, dass sie heute kommunikativer und geselliger sind als zuvor.
Neben den persönlichen Entwicklungen hat sich auch die Tagesstätte selbst weiterentwickelt. Inzwischen gehören Entspannungsangebote und Spielegruppen fest zum Angebot der heilpädagogischen Leistungen. Immer wieder wird die besondere Atmosphäre hervorgehoben. Ein respektvoller Umgang miteinander, gegenseitige Unterstützung und eine positive Stimmung sind den Besuchenden besonders wichtig. Wer Hilfe benötigt, findet direkt Ansprechpersonen – nicht nur bei den Mitarbeitenden, sondern auch innerhalb der Gruppe.
Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr Leichtigkeit
Gerade in schwierigen Zeiten wird dies spürbar. Mehrere Personen berichten, dass sie sich heute stabiler fühlen als früher. Krisen, Ängste oder Panikattacken seien zwar nicht vollständig verschwunden, könnten aber besser bewältigt werden. Das Wissen, nicht allein zu sein, gebe Sicherheit.
Eine Aussage bringt dieses Gefühl besonders treffend auf den Punkt: „Dass ich hier Menschen habe, die mich auffangen, vergesse ich nie.“
Daneben sind es oft die kleinen Momente, die in Erinnerung bleiben: das erste gemeinsame Kochen in der Tagesstätte, lustige Situationen beim Sport, Ausflüge oder gemeinsame Feiern. Erinnerungen, die zeigen, dass Miteinander nicht nur Unterstützung bedeutet, sondern auch Freude und Leichtigkeit.
Gefragt danach, wie sie die Tagesstätte in einem Satz beschreiben würden, überwiegen Worte wie Begegnung, Sicherheit, Geborgenheit und Gemeinschaft. Eine Person vergleicht die Tagesstätte sogar mit einem Strand: einem Ort, an dem man zur Ruhe kommen und sich wohlfühlen kann. Ein Jahr nach der Eröffnung wird deutlich, dass sich die Tagesstätte in Lingen etabliert hat: Ein Ort, an dem man gesehen wird, Unterstützung findet und neue Zuversicht gewinnen kann – Tag für Tag.