Verein zur Hilfe seelisch Erkrankter im Emsland e.V.

Erkrankung: Depression und Borderline Syndrom


von Steven (27, Name geändert)

1. Wie war Ihr Leben vor der psychischen Erkrankung? Was haben Sie vorher gemacht?

Vor meiner Erkrankung habe ich eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer absolviert und lebte in meiner eigenen Wohnung. Ich hatte im Großen und Ganzen ein schönes Leben und konnte nicht klagen.

2. Wie und woran haben Sie erkannt, dass Sie eine psychische Erkrankung haben und wie war der weitere Verlauf?

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich nur noch ins Bett gelegt und geschlafen habe, als ich von der Arbeit kam. Ich habe mich völlig zurückgezogen, bin kaum noch aus dem Bett gekommen und habe wirklich nur das Allernötigste gemacht. Es viel mir immer schwerer zur Arbeit zu gehen oder banale Dinge wie das Einkaufen zu erledigen. 2007 habe ich dann freiwillig eine Therapie in einer Klinik in Osnabrück begonnen. Ich hatte einen Jugendamtsbetreuer, der mich dorthin gebracht hat. In dieser Zeit bin ich so extrem abgestürzt, dass ich das Krankenhaus in den folgenden 3 Jahren nicht mehr verlassen habe. Ich hatte nun komplett die Kontrolle über mich verloren. Ob die geschlossene Station, die offene Station oder eine Wohngemeinschaft im Krankenhaus. Ich habe alle in dieser Zeit durchlaufen.
Um die Jahre 2009/2010 herum habe ich langsam wieder Fuß gefasst. Mit meiner damaligen Freundin bin ich in eine WG gezogen, in der es allerdings so viel Stress unter den anderen Bewohnern durch Alkohol und Drogen gab, dass Lotse mich dort nach kurzer Zeit heraus geholt hat. Mein damaliger gesetzlicher Betreuer hat den Kontakt zum Verein Lotse hergestellt. Die folgende Zeit habe ich in zwei verschiedenen WGs von Lotse verbracht und so langsam ging es mir etwas besser, allerdings hatte ich einfach keine Grundlage. 2012 bin ich als Lagerist beim Vitus-Werk angefangen und alleine in eine 3-Zimmer Wohnung gezogen, da ich es in der WG nicht mehr ausgehalten habe. Ich wollte auch einfach den nächsten Schritt für mich wagen auf dem Weg in ein „normales“ Leben. Kurze Zeit später musste ich beim Vitus-Werk kündigen, weil ich Bandscheibenvorfälle hatte und die Arbeit dort körperlich nicht mehr geschafft habe. Nachdem ich zwischendurch immer wieder Klinikaufenthalte in Osnabrück hatte, habe ich 2013 eine Therapie in Laer gemacht, die plötzlich vieles verändert hat. Diese Therapie hat mich endlich weiter gebracht und mir bislang am besten geholfen.

3. Wie ist Ihre jetzige Situation?

Momentan fühle ich mich gefestigt und habe keine Borderline Störung mehr. Ab und zu habe ich Rückschläge und Tage mit Depressionen, aber ich denke das ist ganz normal. Ich fühle mich soweit gut und bin weiterhin auf Jobsuche. Ich denke, dass ich mich in all der Zeit zum Positiven entwickelt habe, denn das was ich gesehen habe, hat mich stark geprägt.

4. Ausblick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich meine Gesundheit noch mehr festigt. Ich möchte einen Job finden, der mir Spaß macht und der mich erfüllt und irgendwann eine Familie gründen. Ich habe ein Motto für mich entwickelt: Man kann vieles im Leben schaffen, wenn man vernünftige Leute an der Seite hat, die an einen glauben, einen schätzen, einen unterstützen und so respektieren wie man ist.