Verein zur Hilfe seelisch Erkrankter im Emsland e.V.

Erkrankung: Depression, Borderline Syndrom und Angststörungen


von Bob (30; Name geändert)

1. Wie war Ihr Leben vor der psychischen Erkrankung? Was haben Sie vorher gemacht?

Bevor bei mir eine psychische Erkrankung festgestellt wurde, lief mein Leben sehr chaotisch. Ich habe eine Ausbildung zum Fachlagerist begonnen und  3 ½  Jahre eine Beziehung geführt, aus der ein Kind hervorgegangen ist. Die Mutter meines Sohnes hat sich mir gegenüber respektlos verhalten, mich geschlagen und nichts im Haushalt gemacht.

2. Wie und woran haben Sie erkannt, dass Sie eine psychische Erkrankung haben und wie war der weitere Verlauf?

2008 hatte ich dann einen Nervenzusammenbruch und habe versucht, mich durch Tabletten umzubringen. Ich kann mir heute nicht erklären warum ich das getan habe. Die Schlinge hat sich einfach immer weiter zugezogen. Ich hatte Angst vor meiner Freundin und irgendwann auch Angst zur Arbeit zu gehen. Cirka ein halbes Jahr nach meinem Suizidversuch haben meine damalige Freundin und ich uns getrennt und zunächst ging es mir blendend.
Anfang 2009 bin ich dann wieder eingebrochen und daraufhin habe ich mich selbstständig in Therapie begeben. Nachdem die Therapie im Mai 2009 beendet war, habe ich zu Hause versucht wieder zu arbeiten. Allerdings war ich dauerhaft nicht stabil genug dazu, so dass ich im April 2010 nochmal in eine Tagesklinik gegangen bin. Diese Therapie hat mir aber auch nicht geholfen. Ich bin der Meinung, dass die Ärzte nur ihr Ding durchgezogen haben und mich sogar zu Sachen genötigt haben. Ich hatte einfach keinen Spaß mehr.
2011 hatte ich dann einmal die Woche für eine Stunde eine ambulante Psychotherapie, die mir sehr geholfen hat. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das der Wendepunkt war. Ich habe angefangen mein Leben umzukrempeln, viel über mich selbst nachgedacht, mir neue Hobbys gesucht und viel über Philosophie gelesen. Im Jahr 2012 habe ich über den sozialpsychiatrischen Dienst vom Landkreis Emsland erstmals Kontakt zum Lotse aufgenommen. Dort habe ich mich gemeldet weil ich beruflich endlich wieder Fuß fassen wollte und Hilfe bei der Arbeitsvermittlung brauchte. Ich wollte einfach ganz neu anfangen. Daraufhin habe ich erstmal verschiedene Praktika absolviert.

3. Wie ist Ihre jetzige Situation?

Von September 2013 bis Juli 2014 habe ich ein Praktikum in einer Grundschule gemacht und fange jetzt ab September eine neue Ausbildung zum Heilerziehungspfleger an. Seit den letzten  zwei Jahren geht’s mir sehr gut, ich hatte lange keinen Tiefpunkt mehr. Meine Medikamente wurden sogar schon letztes Jahr abgesetzt.

4. Ausblick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich?

Für die Zukunft kann ich mir eigentlich nur wünschen, dass alles so bleibt, wie es momentan ist, ich meine Ausbildung schaffe und keine Rückfälle mehr erleben muss.